Niederbipp – Generalsansicht – 1940 – Foto Archiv © Pedro Meier Multimedia Artist / ProLitteris - Gerhard Meier Solothurn Oberaargau Kanton Bern Schweizerisches Literaturarchiv  Literatur, Olten, Schweiz
Niederbipp – Generalsansicht – 1940 – Foto Archiv © Pedro Meier Multimedia Artist / ProLitteris

Gerhard Meier Literaturweg – Texttafel 01

 

 

»...Da lag nun also Amrain, über das viele Sommer hingegangen sind, viele Winter, Frühlinge, Herbste, viele Regentage und Dürrezeiten; das aber auch Brände hat hinnehmen müssen, Seuchen, wo die Passanten zum Beispiel die Schuhe in Bottichen zu desinfizieren gehabt hätten, wenn es sich um die Maul- und Klauenseuche gehandelt habe. Und immer muss es seine Schmiede gehabt haben, seine Viehhändler, Sargschreiner, Landstreicher - und am Tag der Schlacht bei Borodino vielleicht auch gutes Wetter...«

 

Niederbipp (BE) – »Das rote Hotel« – (ehemals Hotel Bahnhof) – um 1945 – Foto Archiv © Pedro Meier Multimedia Artist / ProLitteris – Gerhard Meier Schweizerische Literaturarchiv – Kanton Bern – Literatur – Suhrkamp-Verlag – Zytglogge Olten Oberaargau
Niederbipp (BE) – »Das rote Hotel« – (ehemals Hotel Bahnhof) – um 1945 – Foto Archiv © Pedro Meier Multimedia Artist / ProLitteris

Gerhard Meier Literaturweg – Texttafel 06

 

»..."Dort hat das rote Hotel gestanden, Bindschädler, man hat es abgetragen", sagte Baur, mit einer Kopfbewegung auf das Coop-Center weisend. "Im roten Hotel hatte die Blechmusik ihr Standquartier. Bindschädler, im Frühling nach dem Abbruch zögerten die Kastanien der Umgebung nächtelang, ob sie für diesmal Taubenflügel treiben sollten. Im Herbst, nachdem es Blätter geworden waren, lagen sie auf Stapeln blauer Echos - toten Vögeln gleich." Baur lächelte, strich sich über die Stirn. Über dem Coop-Center stand eine weisse Wolke...

Das rote Hotel war ein Bau aus dem Fin de siècle. Der Eingang zum Restaurant, zu dem ein paar Stufen hinaufführten, war über die nordwestliche Ecke hin angelegt. An die Ostseite des roten Hotels war ein Metzgerladen angebaut...Dann folgte, wiederum angebaut, der Konsum, nach heutigem Sprachgebrauch der Coop-Laden eben...«

 

Gerhard Meier – im Dezember 1964 in der Lampenfabrik in Niederbipp – (Foto und Text: Keystone/Photopress-Archiv) - Pedro Meier
Gerhard Meier – im Dezember 1964 in der Lampenfabrik in Niederbipp – (Foto und Text: Keystone/Photopress-Archiv) - Pedro Meier

 

 

Gerhard Meier Literaturweg –

Texttafel – bei der Lampenfabrik AKA

 

 

Gerhard Meier – im Dezember 1964 in der Lampenfabrik in Niederbipp

 

 

33 Jahre lang arbeitete er in einer Lampenfabrik in der Provinz. Dann wur­de er einer der ganz grossen Schriftsteller der Schweiz und mit Preisen überhäuft. Vor 100 Jahren, am 20. Juni 1917, wurde Gerhard Meier gebo­ren. - Meier arbeitete zunächst als Designer und technischer Leiter in der Lampenfabrik in Niederbipp im Kanton Bern. Schon während der Studien­zeit hatte er erste schriftstellerische Versuche unternommen, die er dann wieder aufgab. 1957 erkrankte er an Tuberkulose. Im Sanatorium begann er wieder zu schreiben. Seit 1971 lebte er als freier Schriftsteller. Er be­zeichnete sich selbst als „Provinzler, der immer nur die Welt in der Provinz hereinholen wollte". Seine Gedichte, Romane und Kurzprosa spielen im Lokalen, meist in Niederbipp. Er verbindet persönliche Erlebnisse und Be­trachtungen mit eigenen Interpretationen und Fantasien. 1979 vermachte ihm Peter Handke die Hälfte des ihm zugesprochenen Kafka-Preises. Be­rühmt wurden seine poetischen, einfühlsamen Texte, die er seiner Frau - nach deren Tod im Jahr 1997 - sozusagen ins Jenseits übermittelte. Er beschrieb die blühenden Apfelbäume und Blumen und sein Leben nach ihr. Obwohl er nun zu den ganz Grossen gehörte, verweigerte er sich dem Literaturbetriebs-Rummel und führte ein zurückgezogenes Leben. Das Bild zeigt ihn im Dezember 1964 in der Lampenfabrik in Niederbipp. (Foto: Keystone/Photopress-Archiv)