Ausstellungsplakat – Kunstmuseum Olten – Solo-Ausstellung von Pedro Meier Multimedia Artist – »Aschenbilder – Anmerkungen zu Rembrandt – Randmarken«, 1994 – Ausstellungskonzept: Konservator Peter Killer –  © Pedro Meier Niederbipp / ProLitteris visarte
Ausstellungsplakat – Kunstmuseum Olten – Solo-Ausstellung von Pedro Meier Multimedia Artist – »Aschenbilder – Anmerkungen zu Rembrandt – Randmarken«, 1994 – Ausstellungskonzept: Konservator Peter Killer – © Pedro Meier Niederbipp / ProLitteris
Pedro Meier Solo-Ausstellung im Kunstmuseum Olten – »Aschenbilder – Zeichnungen – Randmarken« – Artikel: »Der Textur auf der Spur – Pedro Meier zeigt neue Arbeiten« von Paul Zoller in »Aargauer Zeitung« – 1994 – Foto: André Albrecht – Archiv Pedro Meier
Pedro Meier Solo-Ausstellung im Kunstmuseum Olten – »Aschenbilder – Zeichnungen – Randmarken« – Artikel: »Der Textur auf der Spur – Pedro Meier zeigt neue Arbeiten« von Paul Zoller in »Aargauer Zeitung« – 1994 – Foto: André Albrecht – Archiv Pedro Meier
Zitat von Paul Zoller, Kunsthistoriker, »Aargauer Zeitung« – zu Pedro Meier Solo-Ausstellung im Kunstmuseum Olten: – »Aschenbilder – Zeichnungen – Randmarken« – 1994 – Foto Archiv Pedro Meier
Zitat von Paul Zoller, Kunsthistoriker, »Aargauer Zeitung« – zu Pedro Meier Solo-Ausstellung im Kunstmuseum Olten: – »Aschenbilder – Zeichnungen – Randmarken« – 1994 – Foto Archiv Pedro Meier

Kunstmuseum Olten

 

Pedro Meier

 

>Aschenbilder­-Zeichnungen-Randmarken<

 

 

 

Der Textur auf der Spur

 

Pedro Meier zeigt neue Arbeiten

 

 

PAUL ZOLLER

Aargauer Zeitung

 

Pedro Meiers Kunst erschöpft sich nicht darin, Oberflächen viel versprechend zu polieren, im Trend liegende Ideen zu vi­sualisieren oder nur schönen Schein zu produzieren. Wenn ein pressierter Besucher seiner jüngsten Ausstellung im Kunstmuseum Olten auch leicht so denken könnte. Zeit und sorgfäl­tige Aufmerksamkeit werden schon nötig sein, um auf Pedro Meiers Arbeiten gebührend ein­zugehen. Der übliche Weg der Betrachtung nämlich, wo brav einer gestalterischen Hierarchie gefolgt werden darf, kann in diesen Bildern nicht gegangen werden. In ihnen ist sämtliches, und das ziemlich konsequent, von gleichem Wert. Wird übli­cherweise in Hauptsache und Detail dividiert, so kann hier so nicht gerechnet werden. Bei Pedro Meier gibt es, um im abzähl­baren Rahmen zu bleiben, nur eine Zahl: Eins. Eins ist Sub­stanz, Zeichen und Deutung.

 

Wo aber mit der Betrachtung beginnen, wenn der Wahrneh­mungskreis solcherart geschlos­sen und weder Anfang noch En­de gegeben ist? Vielleicht muss weniger verklärt nach dem ei­nen Grossen, als vielmehr nach den vielen Kleinheiten gefragt werden, wie sie in den Werken Pedro Meiers einge- und ver­flochten sind. Vielleicht lässt sich dort das Wesen dieser Wer­ke ergründen.

 

Anlehnung

 

Pedro Meier nimmt als Bild­grund gerne Papier. Nicht ir­gendein Papier freilich darf es sein. Meier, der ja teils in Aar­burg, teils in Bangkok arbeitet, schöpft es eigenhändig nach ost­asiatischer Art. Aus den Rinden­fasern des Maulbeerbaumes er­gibt sich, sachgemässe Behand­lung vorausgesetzt, ohne ir­gendwelche zusätzliche Lei­mung ein Papier, das die Festig­keit von Gewebe hat Die Linien der Fasern sind zu Fläche ver­flochten, ohne Zutat und ohne Alchemie. Einfach geschöpft. Die Methode ist so ursprünglich wie raffiniert. Pedro Meier lehnt sich im weiteren Vorgehen un­mittelbar an beschriebenen Pro­zess an und wiederholt ihn un­ter veränderten Vorzeichen. Mit dem Zeichenstift geht er ein auf seinen ersten Grund, wie selbst­vergessen wiederholt er die Fa­serläufe, Linie spielt mit Linie und über die erste Textur legt sich eine nächste.

 

Weniger östlich durchsonnen, dafür von heftiger Materialität geprägt zeigen sich Meiers «Aschenbilder». In Dispersion dick angeteigt und eventuell direkt mit Händen und Fingern aufge­tragen sind deckende Schichten und sich verzahnende Schraffu­ren angelegt. Fahl sind die Far­ben, und doch nuancenreich. In tausend Tönungen ist das Grau umspielt, wie letzte Widerschei­ne des Feuers und der Glut Ein Abgesang? Vielleicht ein Neube­ginn.

 

Zwiesprache

 

Es kann das eine wie das andere sein. Beschreibt Peter Killer, Konservator des Oltner Kunst­museums, Pedro Meier doch als «Recycler», als Wiederverwer­ter. Ein Mann, der den Wert un­gegangener Wege und uner­kannter Verbindungslinien kennt, ist er bestimmt auch, wenn nach einer Charakterisie­rung für den Urheber der «Randmarken» gefragt wird. 17 im 19. Jahrhundert abgezogene Nachdrucke von Radierungen Rembrandts waren gegeben, mit brauner Chinatusche hat Meier seine «Anmerkungen» darauf angebracht. Die «Anmer­kungen» sind dabei nicht text­lich, sondern es sind fein ge­zeichnete, sich knäuelnde Lockenlinien, eine Art privat eigen­sinniger Kalligraphie und ein Zwiegespräch auf einer Ebene, die keine Stimme kennt, son­dern Bild ist und Zeichen. Das ist der Ort, wo Erklärungen dürftig werden, weil begriffliche Fix­punkte fehlen. Stattdessen locken unvermutete Strudel und Stränge von Verbindungen wie zum Beispiel dieser: Es war aus­gerechnet Rembrandt, der im 17. Jahrhundert das Papier aus Rin­de des Maulbeerbaumes erstma­lig für seine Zeichnungen ver­wendete.

 

 

 

                        Foto: André Albrecht

 

     Grosse Ausstellung: Pedro Meier im Kunstmuseum Olten

 

Kunstmuseum Olten, Pedro Meier >Aschenbilder­-Zeichnungen-Randmarken<

 

Bis 4. Dezem­ber 1994

Aargauer Zeitung