Vernissage Pedro Meier

 

Galerie Kornhaus

Herzogenbuchsee

Ausstellungstitel:

>UNRAST ZUR UNZEIT<  -  >Überreste und Siamesisches<

 

Pedro Meier lernte ich auf aussergewöhnliche Weise kennen. Im nachhinein weiss ich, dass bei Pedro Meier alles aussergewöhnlich ist. Beim stöbern in einem Berner Antiquariat kam mir ein Buch in die Hände, dessen Farbreproduktionen von expressiven Bildern mich neugierig machten, mir aussergewöhnlich erschienen. Da der Text in Englisch und Thai abgedruckt war, liess die Vermutung auf einen ausländischen Künstler schliessen. Es gab da aber Bilder mit dem Titel >Landscape at Niederbipp> oder >Jura in Winter<. Es gab auch welche betitelt mit >Chinese mountain< oder >Landscape Koh Samui<.

 

Bilder von kräftigem Pinselduktus, etwas melancholisch anmutend, manchmal wild hingeworfen, farbintensiv und unruhig, manchmal in ruhigen Flächen, wohl abgestimmt, dann wieder filigran in der Zeichnung. Wie länger ich in diesem Buch blätterte, umso mehr eröffnete sich mir die eigenartige Welt eines ausser-gewöhnlichen Malers.

 

Was ist das für einer, der mit PEDRO signiert?

 

Erst hinten im Buch lüftete sich das Geheimnis in der Biographie: >Pedro Meier, born at Wangen an der Aare, growing up in Niederbipp<. Also ein Buch in Englisch und Thai über einen Schweizer Künstler.

 

Ich wollte diesen Maler näher kennen lernen. Wollte ihn treffen, zu einem Gespräch, zu einer Atelierbesichtigung. vielleicht für eine Ausstellung gewinnen. Im Telefonverzeichnis stand seine Nummer. Auf mehrere Anrufe gab niemand Antwort. Nach weiterem Suchen gelangte ich schliesslich zu seinem Vater, dem Schriftsteller Gerhard Meier und vernahm, dass er sich in Thailand aufhalte, was nicht aussergewöhnlich sei, und demnächst wieder in der Schweiz zu erwarten sei.

 

Ein Besuch in Pedros aussergewöhnlichem Atelier kam zustande. So vereinbarten wir vor etwas mehr als einem Jahr eine Ausstellung im Oktober 2001 hier im Kornhaus Herzogenbuchsee und alle Vorbereitungen nahmen den gewohnten Lauf - bis zum aussergewöhnlichen 22./23. Juni. (Ich komme später darauf zurück).

 

Wer ist Pedro Meier?

 

Ein aussergewöhnlicher Mensch, beflügelt von steter Unrast. Pedro Meier ist ein Malsüchtiger.

 

Pedro Meier ist kein Maler wie tausend andere, die das Metier auf Schulen und in Akademien erlernt, sich die technischen Kenntnisse in langwierigen Studien angeeignet, ihre Themenwelt nach sorgfältigem Erwägen erarbeitet haben.

 

Er ist ein Mensch, der in seiner ganzen Komplexität die Freiheit an die erste Stelle setzt. In der Malerei bedeutet Freiheit für ihn die Loslösung von Konventionen, die direkte Umsetzung von Emotionen und inneren Schwingungen ins Bild.

 

In einigen Darstellungen dieser Ausstellung ist dies deutlich abzulesen. Mit heftigem Pinselschwung hingeworfen, ungebärdig und ungeduldig, doch in einer eigenartig­eigenständigen Farbführung die verblüfft und bezaubert.

 

Pedro Meier ist ein Pendler zwischen zwei Welten. Jener im noch ursprünglichen Asien, wo er oft in seiner Malhütte am Golf von Siam arbeitet, und jener im intellektuell formierten (oder deformierten) Europa, seinem Atelier in der Schweiz.

 

Der aussergewöhnliche, von Unrast getriebene Pedro Meier sagt von sich: >Leben einfangen mit Farben, versuchen Bilder zu malen, die schon fast wieder Leben sind - gleichsam ein Leben neben dem Leben führen - so möchte ich malen, so möchte ich leben...<. Mit diesen Worten gibt er eigentlich eine Einführung in seine in der Schweiz, beziehungsweise in Thailand entstandenen Werke und meint abschließend: «Ein Außenseiter bin ich dort und hier».

 

>UNRAST ZUR UNZEIT> heißt der Titel dieser Ausstellung welcher im vergangenen Juni eine ganz neue Bedeutung bekam. Pedro weilte zu dieser Zeit nicht in seinem großen Atelier im Gugelmann-Areal in Roggwil, sondern in Thailand, als durch den bekannten Grossbrand vom 22./23. Juni sein Atelier, seine umfangreiche Bibliothek und praktisch alle seine Werke (mitsamt der für diese Ausstellung ausgewählten) vernichtet wurden. (Notabene: Nichts war versichert!) Das Leben von Pedro veränderte sich schlagartig. Er war seiner Existenzgrundlage beraubt. Eine traurige Heimreise - und hier stand er vor dem Nichts.

 

Auch Cuno Amiet hatte 1931 durch den Brand des Glaspalastes in München, wo über 50 seiner Werke zerstört wurden, ähnliches erlebt.

 

Die vorgesehene Ausstellung hier im Kornhaus schien nicht mehr durchführbar zu sein. Und doch wollte man nicht einfach >die Flinte ins Korn werfen<. Wäre es vielleicht möglich, aus dem Atelier in Bangkok einige Arbeiten in die Schweiz zu holen? Fragen über Fragen. Realisierbares und Unrealisierbares wurde erwogen.

 

Mit einer kleinen finanziellen Unterstützung von Freunden wurde es Pedro Meier ermöglicht, Bilder aus dem Atelier in Thailand in die Schweiz zu holen und diese bescheidene Kollektion zu ergänzen mit der Rückforderung von Ausleihungen in der Region.

 

Die Ausstellung, welche wir heute zeigen können, entspricht nicht mehr der Konzeption vor dem Brand. Der Zusatztitel auf Ihrer Einladung spricht für sich: >Überreste und Siamesisches<. Pedro muss heute geliebte Arbeiten, die er nicht veräußern wollte, zum Verkauf anbieten. Es ist ein kleiner, geretteter Bestand eines Lebenswerks. Darunter Lieblinsbilder von Pedro Meier.

 

Diese Ausstellung hat nun retrospektifischen Charakter. Figurative Bilder stehen im Spannungsverhältnis zu ungegenständlichen. Fernöstliches zu Oberaargauischem. Monochromes im Gegensatz zu wildem Zeichengestus, welcher an Höhlenmalereien unserer Vorfahren erinnert.

 

Pedro Meier - ein aussergewöhnlicher Mensch, ein aussergewöhnlicher Künstler, dessen aussergewöhnliches Schicksal sich mit dieser Ausstellung verbindet: >UNRAST ZUR UNZEIT<.

 

 

 

Urs Zaugg

Galerist

Galerie Kornhaus

Herzogenbuchsee

20. Oktober 2001